Ein paar Gedanken zur Nachhaltigkeit

11. November 2014, 23:45

Nach dem gestrigen Konsum von “hartaberfair”  und einigen Diskussionen dazu auf Twitter, habe ich heute den ganzen Tag über den Komplex der Ernährung, aber auch über Nachhaltigkeit gedanklich festgehangen.

An der gestrigen Diskussion störte mich wie so oft, dass es vorrangig nicht um Information und Diskussion ging, sondern um Statements unter Teilnehmern, die ihre Meinung gefasst haben und über das Thema nicht mehr nachdenken, sondern der Meinung sind, ihre Meinung ist die Richtige und alle anderen müssen diese sofort teilen.

Diese Problematik sehe ich sehr häufig, wenn es um das Thema Ernährung geht. Schwarz-weiß, ich hab’ Recht, fertig. Das das Ernährungsthema jedoch mit vielen Punkten zusammenhängt, wird in vielen Diskussionen m.E. gar nicht ausreichend berücksichtigt.

Das Fleischkonsum und Tierhaltung ein wichtiges Thema ist, teile ich. Das aber jemand mit einem Einkommen unterhalb der Armutsgrenze oder mit Hartz-4-Bezug nicht in der Lage ist, 25,00 EUR für ein Hähnchen zu zahlen, nehme ich jedoch auch wahr. Ich sehe auch das als ein Thema, was jenseits von Polemik Betrachtung verdient. Klar, “Arme” könnten doch einfach auf Fleisch verzichten. Was aber ist, wenn “Arme” zumindest das Recht haben wollen über ihre Ernährungsgewohnheit ein wenig mitbestimmen zu dürfen? Wie wäre es, wenn man soziale Fairness schafft und Menschen mit prekärer Finanzlage mehr Einkommen (bzw. finanzielle Zuwendung) zukommen lässt und diese in der Lage wären, einen angemessenen Preis für Fleisch und damit auch für eine bessere Tierhaltung in der Industrie zu sorgen?

Was bedeutet Nachhaltigkeit? Bio-Tee, bei dem einzeln in Plastikhüllen eingeschweißte Teebeutel zu finden sind? Besser der regionale Apfel als der Bio-Apfel in Neuseeland?

Kein Fleisch mehr, aber Vegetarier sein reicht nicht aus, es muss vegan sein?

Schwierig finde ich, dass jeder für sich in Anspruch nimmt, es richtig zu machen und alle anderen machen es falsch. Was wäre wenn jeder einmal überdenken würde, ob evtl. am eigenen Ansatz etwas nicht stimmt und von welchen anderen Konzepten man sich inspirieren lassen könnte?

Ja, was wäre wenn – das frage ich. Deshalb gibt es hier und heute diese nachdenklichen Gedankesfetzen statt Produkttest, Gastroempfehlung oder Shampoo-Test ;-)

Ich bin gespannt (und auch ein bisschen angespannt) ob und welche Kommentare ihr für mich habt. Eventuell keine (was ebenfalls sehr schade wäre) oder ganz viele?

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Nach der kurzen Beitragspause habe ich wieder eine Literaturempfehlung für euch. Zum Geburtstag bekam ich ein unheimlich tolles Nachschlagewerk geschenkt, von dem ich zu vor noch gar nichts gehört hatte: das “Bio-Food-Handbuch” von Udo Pini.

Bio-Food-Handbuch

Auf über 800 Seiten klärt der Wälzer darüber auf, was z. B. Bio-Siegel genau bedeuten, wie wir unseren Konsum nachhaltiger gestalten können, wodurch sich Bio-Läden von anderen unterscheiden und vieles mehr. Zugegeben: es ist kein Werk für die Handtasche.

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